Klimagoodies - Thema "Wald": Tiny Forests mit großer Wirkung

Tiny Forests – kleiner Wald, große Wirkung

Wie in unserem vorherigen Artikel beschrieben, müssen sich unsere Wälder verändern.  Maßnahmen wie der Waldumbau oder die Aufforstung sind jedoch ein langwieriges und schwieriges Unterfangen.

Anders verhält es sich beim Anpflanzen von “Tiny Forests”, auch “Miniwälder” genannt. Bereits in den 70er-Jahren entwickelte der japanische Pflanzensoziologe Akira Miyawaki (1928-2021) die Bewaldungsmethode, die standortangepasste und klimaresiliente Wälder auf kleinem Raum (100 – 2000 m2) schafft. Mit dieser Methode entstehen kleine grüne Oasen aus Bodendeckern, Sträuchern und Bäumen, die viele Vorteile bringen. Neben der Schaffung eines neuen artenreichen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, zieht so ein Tiny Forest Schadstoffe aus der Luft und bindet CO2 – und das sogar deutlich schneller als normale Waldflächen. Zusätzlich schafft er ein gutes Mikroklima, dass sich kühlend (2-3° C) auf die Umgebung auswirkt und Schutz vor extremer Hitze bietet. Im Hinblick auf Starkwetterereignisse dienen die Miniwälder als Wasserspeicher und Rückhalteflächen.

Damit so ein Tiny Forest gedeihen und seine Wunder wirken können, ist natürlich einiges an Vorarbeit zu leisten. Nach dem Finden einer geeigneten Fläche, muss zunächst der Boden bearbeitet und mit Nährstoffsubsraten, Mirkoorganismen und bestimmten Pilzen angereichert werden. Ist die Grundlage gebildet, wird eine Vielfalt standortheimischer Pflanzen in dicht nebeneinander in die Erde gebracht. Die dichte Bepflanzung ist neben der Bodenbearbeitung ein essentieller Teil der Miyawaki-Methode, denn durch den so entstehenden Konkurrenzkampf um Licht wachsen viele der Pflanzen schneller, einige sogar um bis zu einem Meter pro Jahr. Bereits nach zwei bis drei Jahren ist die Fläche ein autarker und natürlicher kleiner Wald. Bis dahin muss er mit geringem Aufwand für das Bewässern und Entfernen von Unkraut gepflegt werden.

Wie der Name schon vermuten lässt, sind Miniwälder jedoch (noch) nichts für die Bewaldung großer Flächen und kein Ersatz für unsere Monokulturen. Derzeit finden sie ihren Einsatz eher als Klimaanpassungsmaßnahme und zur Begrünung von urbanen und von Asphalt geprägten Räumen.

Da Tiny Forests auf kleinen Flächen mit verhältnismäßig wenig Aufwand gepflanzt und gepflegt werden können, bieten sie eine gute Möglichkeit, Kindern und anderen Freiwilligen im Rahmen von Umweltbildungsprogrammen umfangreiches ökologisches Wissen zu vermitteln. Hier wird gemeinsam neues Leben gepflanzt, gelernt und gewachsen: so sind Tiny Forests nicht nur für die Umwelt gut, sondern tragen auch positiv zur Förderung des sozialen Klimas bei.

Aufgrund der vielen Vorteile, die der Tiny Forest bietet, wird bereits erforscht, ob sich die Miyawaki-Methode für den Waldumbau nutzen lässt. Seit 2021 wird im Brandenburger Burglehn (Lübben) auf 2.500 m2 Fläche von den Vereinen Freiwald (Berlin) und Citizens Forests (Schleswig-Holstein) ein Pilotprojekt hierzu durchgeführt.

Tiny Forest Pioniere aus Brandenburg gibt es auch. Der Verein MIYA e. V. aus Eberswalde setzt seit 2020 viele Miniwald-Projekte um, für die auch immer engagierte Pflanzhelfer*innen gesucht werden. Neben dem Anlegen von MIYA-Wäldern widmen sich MIYA auch der Bildungs- und Aufklärungsarbeit. An Schulen, im Rahmen von Workshops und über Blog und Social Media informieren sie zu Themen rund um Tiny Forests und animieren, diese selbst umzusetzen. 2022 erhielten sie vom Umwelt Bundesamt für ihr Engagement den Bundespreis Blauer Kompass.

nach oben
Das Projekt „BrandenburgKlima“ wird gefördert durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt.